GRESSER K9 TIME ANALYSIS



Die Zeit ist neben den Marktbewegungen die einzige Größe, auf die ein Trader keinen Einfluss nehmen kann. Deshalb müssen Sie alle Marktteilnehmer als gegebene Größe akzeptieren und Ihre Engagements so effizient wie möglich planen. Das Ziel eines jeden Traders sollte daher sein, den Gewinn mit möglichst kurzen Marktpositionierungen zu realisieren. Für die Umsetzung dieser schwierigen Aufgabe wird meist die Kennziffer »Time in the Market« herangezogen. Sie erfasst genau die Zeitspanne eines gesamten Betrachtungszeitraums, die eine bestimmte Strategie im Markt investiert ist. Die Idee, die sich hinter dieser Kennzahl verbirgt, ist, zu bestimmen, wie hoch das potenzielle Marktrisiko einer Position ist, denn je länger eine Position im Markt verbleibt, desto größer wird das Risiko, den Marktschwankungen und somit einem potenziellen Verlustrisiko ausgesetzt zu sein. Sicherlich ist diese Annahme unter Tradern nicht unumstritten, da nach Meinung einiger Investoren im Gegensatz dazu mit längerfristigen Positionierungen dem Investor die Möglichkeit eröffnet wird, in stärkerem Maße am vorliegenden Trend zu partizipieren, womit höhere Gewinne realisiert würden. Bedacht werden sollte aber, dass der Trader jederzeit von kursbeeinflussenden Nachrichten überrascht werden kann und sich das Trendende schneller abzeichnet, als ihm lieb sein könnte. Insbesondere, wenn mehrere Märkte gleichzeitig beobachtet werden, ist es gar nicht so einfach, den Überblick über alle noch offenen Positionen und deren Verhalten zu behalten. Dazu kann er sich alternativ einer Übersicht wie dem K9 Money Management bedienen, um die Übersicht über sein Konto zu bewahren.

Mit der Kennzahl »Time in the Market« wird die Dauer der Positionierungen nur absolut gemessen, das heißt in Minuten, Stunden oder Tagen, weshalb sie nicht ohne weiteres miteinander, vor allem mit anderen Handelssystemen, vergleichbar ist. Diese Kennzahl ist aber sehr nützlich für die Messung der Performance eines Systems im Zeitverlauf. Verlängert sich etwa die durchschnittliche Positionierungsdauer nach einigen Monaten erheblich, könnte eine Neujustierung des Systems nicht nur in Betracht gezogen werden, sondern erforderlich sein, um das schleichend erhöhte Schwankungsrisiko des Marktes wieder abzusenken. Nicht nur die Performance eines Systems ist für den langfristigen Trading-Erfolg entscheidend, sondern auch, unter welchem Risiko diese Performance erreicht wurde! Für einen Vergleich der Handelssysteme untereinander bietet sich eher die von dieser Kennzahl abgeleitete Kennziffer »Percent in the Market« an, die nachfolgend ausführlich erläutert wird. Sie wandelt die absolut gemessenen Zeiträume in prozentuale Angaben um, womit auch das Risiko quantitativ erfasst werden kann. Das Risiko ist nämlich mit einer »absoluten« Zahl, wie sie die »Time in the Market« liefert, nicht messbar.

Mittels erfolgreicher Handelssysteme kann die Dauer für Positionierungen enorm verkürzt werden, da deren Handelssignale einem aufwendigen Filterprozess unterzogen wurden. Bei einem profitablen Handelssystem werden nur die Signale generiert, die auch wirklich viel versprechend sind. Handelssysteme sollten deshalb in der Lage sein, innerhalb sehr kurzer Zeiträume Marktschwankungen für gewinnbringende Trades auszunutzen.




Exkurs – Analyse automatisiertes Handelssystem K9

Das automatisierte Handelssystem K9 hatte etwa 160 Stunden während des Betrachtungszeitraums von zwei Monaten (Handelszeit regulärer Handel sowie vorund nachbörslicher Handel 521 Stunden) mindestens eine Position offen.






Für einen Investor ist es nicht unerheblich zu wissen, wie lange er mit seinen Positionen im Markt investiert ist, um quantitativ beurteilen zu können, wie hoch sein Risiko ist, den Markschwankungen ausgesetzt zu sein. Nur wenn er keine offenen Positionen hält, nimmt er kein Trading-Risiko auf sich. Folglich sollte er anstreben, so kurz wie möglich seine Positionen im Markt zu halten, um sein Marktrisiko zu vermindern. Offensichtlich erhöht sich das Marktrisiko des Traders, je länger sein Engagement im Markt im Verhältnis zum gesamten Betrachtungszeitraum besteht. Die Kennzahl »Percent in the Market« ist daher ein Risikomaß, das auf der Annahme basiert, je länger das Kapital im Markt investiert ist, desto höher ist das für die Strategie notwendige Kapital den Marktaktivitäten ausgesetzt, womit sich in gleichem Maße das allgemeine Marktrisiko (Verlustrisiko) erhöht. Neben dem Risiko, dem sich der Trader aussetzt, wenn er im Markt investiert ist, hat er selbstverständlich auch die Chance, bei auftretenden Marktschwankungen überproportional zu profitieren. Deshalb kann der reinen Risikobehauptung entgegengestellt werden, dass bei einer minimalen Zeitspanne, die der Trader im Markt positioniert ist, auch nur ein minimaler Gewinn resultieren kann. Diese Kennzahl sollte deshalb keine Extremwerte annehmen, wie beispielsweise ein Prozent (geringes Risiko, geringe Ertragschance) oder 99 Prozent (sehr hohes Risiko, hohe Ertragschance). Sinnvolle Größen sind abhängig von der jeweils verwendeten Strategie. So existieren Handelssysteme, die bei zehn Prozent Investition in den Markt überaus profitabel arbeiten, während auch Handelssysteme, die 70 Prozent der Handelszeit Positionen halten, durchaus zu sehr guten Ergebnissen führen können.

Die Berechnung der Kennzahl »Percent in the Market« kann über mehrere Ansätze erfolgen, was im Endeffekt zu unterschiedlichen Ergebnissen führen könnte. Für die quantitative Erfassung des Risikos ist dies hingegen unproblematisch, die Vergleichbarkeit der Systeme leidet jedoch darunter. Hat man sich einmal für eine bestimmte Berechnungsmethode entschieden, sollte unbedingt in der Folgezeit dieser Ansatz beibehalten werden, da er für einen unproblematischen Vergleich der unterschiedlichen Handelszeiträume unabdingbar ist. Alle Ansätze haben gemeinsam, dass das Ergebnis eine prozentuale Größe ist, bei der die mit Trades im Markt verstrichene Zeit zum gesamten Betrachtungszeitraum ins Verhältnis gesetzt wird. Nachfolgend werden wir Ihnen die verschiedenen Berechnungsmethoden kurz vorstellen.

a) Abzählen der einzelnen CandleSticks:

Bei dieser Berechnungsmethode wird der Betrachtungszeitraum in verschiedene, gleich große Zeiteinheiten aufgeteilt. Dieses Ziel wird beispielsweise mit der Darstellung des Handelsgeschehens durch CandleSticks bereits erreicht, da jede einzelne Kerze einen bestimmten Zeitraum der Handelsaktivitäten abbildet. Bei Verwendung eines Ein-Minuten-Charts bildet jede einzelne Kerze das Handelsgeschehen von genau einer Minute des Handelszeitraums ab. Ein Testzeitraum von fünf Stunden enthält folglich 300 Kerzen. Anschließend wird die Anzahl der Trades ermittelt, die im Testzeitraum eröffnet und wieder geschlossen wurden, wobei es unerheblich ist, zu welchem exakten Zeitpunkt die einzelnen Transaktionen durchgeführt wurden. Es werden nur diejenigen Kerzen gezählt, bei denen mindestens eine offene Position bestand. Man beginnt mit dem Zählen bei der Kerze, bei der eine Position eröffnet wurde, und beendet das Zählen an der Kerze, an der die Position geschlossen wurde. Bei jedem weiteren Trade innerhalb des Testzeitraums beginnt die Zählung aufs Neue. Auf diese Weise werden diejenigen verstrichenen Zeiteinheiten erfasst, in denen sich mindestens eine Position im Markt befand. Zur Vervollständigung sei noch angemerkt, dass vom Trader sehr groß gewählte Zeiteinheiten (etwa eine 30-Minuten-Darstellung) die Ungenauigkeit der Zeiterfassung vergrößern, da im Nachhinein nicht mehr feststellbar ist, ob die Transaktion am Anfang einer Kerze oder am Ende derselben eröffnet beziehungsweise beendet wurde. Tendenziell sollten deshalb möglichst kleine Zeiteinheiten zur Erfassung genutzt werden.

Zum Abschluss werden die ermittelten verstrichenen Zeiteinheiten aller Trades summiert und ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Zeiteinheiten des Betrachtungszeitraums gesetzt. Damit wird eine prozentuale Angabe erhalten, die angibt, wie hoch der Anteil von im Markt befindlichen Positionen an der Gesamtzeit gewesen ist. Zweifellos können für eine weitere Quantifizierung auch Gewichtungsfaktoren verwendet werden, um einen stufenweisen Positionsaufbau sowie mögliche Teilliquidationen bestehender Positionen genauer zu erfassen (Pyramiding).

Nachfolgend soll die Ermittlung der Kennzahl an einem fiktiven Beispiel noch einmal verdeutlicht werden. Der Betrachtungszeitraum soll 30 Minuten umfassen und als Ein-Minuten-Chart dargestellt werden. Folglich besteht der Chart aus 30 Kerzen (Zeiteinheiten). Im Testzeitraum fanden, wie in der unteren Abbildung zu sehen ist, drei Trades statt, wobei der erste sich über sechs Zeiteinheiten erstreckte, das zweite Engagement nur vier Zeiteinheiten andauerte und die dritte Transaktion genau fünf Minuten im Markt verblieb. Die Summe der insgesamt verstrichenen Zeiteinheiten von den im Markt befindlichen Positionen beträgt demnach 15 Zeiteinheiten. Nun wird das Verhältnis aus der Anzahl der Zeiteinheiten der im Markt befindlichen Positionen und der Gesamtzahl aller Zeiteinheiten gebildet. Man erhält den Wert 50 Prozent (15 / 30 = 0,5 »Percent in the Market«), was nichts anderes bedeutet, als dass der Trader 50 Prozent der Gesamtzeit mit mindestens einer Position im Markt aktiv gewesen ist.




b) Bestimmung der genauen Zeit:

Die Kennzahl »Percent in the Market« kann auch berechnet werden, indem die mit Positionen im Markt exakt verbrachte Zeit ermittelt wird. In der Regel wird dieser Wert genauer sein als das einfache Abzählen der betroffenen Zeiteinheiten. Dazu ist es zunächst notwendig, die genauen Eröffnungszeitpunkte der Positionen sowie deren Glattstellungszeitpunkte festzuhalten. Die meisten Handelsplattformen bieten dieses Feature zur Erfassung dieses Datenmaterials meist auch ohne zusätzliche Kosten dem Trader an. Das System ist mit diesen Daten in der Lage, die Dauer der einzelnen Trades auf die Sekunde genau zu bestimmen. Die Verweildauer der Positionen im Markt, seien es auch nur wenige Sekunden, wird vom System für jedes einzelne Engagement einzeln erfasst und anschließend über den gesamten Betrachtungszeitraum summiert. Die Summe der mit Positionen im Markt verbrachten Zeit wird zur Gesamtzeit des Betrachtungszeitraums, der bei dieser Methode absolut gemessen wird (zum Beispiel in Minuten, Stunden, Tagen etc.), ins Verhältnis gesetzt. Auf diese Weise wird wieder eine prozentuale Angabe über den Anteil der gesamten Zeit, die mit mindestens einer Position im Markt verbracht wurde, erhalten. Bei dieser Berechnungsmethode ist es ebenfalls problemlos möglich, für die genaue Quantifizierung sinnvolle Gewichtungsfaktoren für die einzelnen Positionen einzuführen, damit ein stufenweiser Positionsaufbau sowie mögliche Teilliquidationen genauer erfasst werden können (Pyramiding).

Das Abzählbeispiel der einzelnen Kerzen aus dem vorherigen Abschnitt soll erneut verwendet werden, jedoch diesmal unter Nutzung der genauen zeitlichen Angaben, um die zahlenmäßigen Unterschiede der beiden Berechnungsmethoden gegenüberzustellen. Der Aussagegehalt beider Methoden bleibt jedoch erhalten und weicht, wie vielleicht erwartet, in keinster Weise voneinander ab! Der betrachtete Testzeitraum beträgt wie bekannt 30 Minuten und wird als Ein-Minuten-Chart dargestellt, in dem drei abgeschlossene Transaktionen stattfanden. Wie aus der Abbildung ersichtlich, wurde der erste Trade um 10 Uhr 34 Minuten und 28 Sekunden eröffnet und um 10 Uhr 39 und 39 Sekunden wieder glattgestellt. Folglich war die Position genau fünf Minuten und elf Sekunden im Markt. Das zweite Engagement wurde um 10 Uhr 46 Minuten und 44 Sekunden eröffnet und um 10 Uhr 49 Minuten und 2 Sekunden geschlossen, womit sich eine Positionierungsdauer von genau zwei Minuten und 18 Sekunden ergibt. Um 10 Uhr 51 Minuten und 2 Sekunden wurde die Order für den dritten Trade ausgeführt und um 10 Uhr 55 Minuten und 56 Sekunden wieder glattgestellt. Diese Position war demzufolge genau vier Minuten und 54 Sekunden im Markt. Nun werden die einzelnen Zeiten der drei Positionierungen innerhalb des Betrachtungszeitraums addiert, und als kumulierte Positionierungsdauer erhält man genau 12 Minuten und 23 Sekunden (5:11 + 2:18 + 4:54). Zum Abschluss muss noch das Verhältnis zwischen der Zeit, in der die Positionen im Markt gewesen sind, und dem gesamten Betrachtungszeitraum gebildet werden. Das Ergebnis beträgt 41,28 Prozent (12:23 Minuten / 30 Minuten x 100 %), was bedeutet, dass etwa 41 Prozent des Gesamtzeitraums mindestens eine Position im Markt und damit dem Marktänderungsrisiko ausgesetzt gewesen ist. Ein abschließender Vergleich dieses Werts mit dem aus der Berechnungsmethode »a)« ergibt, dass in »a)« eine wesentlich ungenauere Angabe, die jedoch zur groben Betrachtung ausreicht, vorliegt.






Exkurs – Analyse automatisiertes Handelssystem K9

Das automatisierte Handelssystem K9 war nach der genauen Berechnungsmethode »b« im Betrachtungszeitraum zu etwa 30 Prozent im Markt investiert.




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